Von:
Heiko Kuschel

e-social-media.de

Social Media: Das ist für Evangelische ein alter Hut. Es hieß nur zu Luthers Zeiten noch anders. Er nannte es das „Priestertum aller Gläubigen“. Sprich: Alle Getauften sind berufen, ihren Glauben verantwortlich zu leben. Nur um der Ordnung willen gibt es einige, die besondere Aufgaben wahrnehmen. Klar: Die Admins.

Die moderne Technik macht es leicht, in Diskussionen einzusteigen oder selbst welche anzustoßen. Aber sind diese elektronischen Kontakte nicht inhaltsleer, zweitklassig gegenüber der echten Begegnung? Ich glaube nicht: Lieber diskutiere ich auf Twitter mit einem Atheisten über die Theodizeefrage als mit einer „realen“ Person übers Wetter. Beziehungen, ja Freundschaften können überall entstehen. Auch Seelsorge geschieht auf diesen Kanälen. Oft folgen daraus persönliche Begegnungen.

Sozial sind diese Medien übrigens auch: Als die Wohnung von @botenstoff abbrannte, sammelten ihre Twitterfreunde eine fünfstellige Summe für sie. Wie war das bei den ersten Christen? „Alle, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 2, 44-45)

Kann man denn im Internet auch Gottesdienst feiern? Wer schon mal eine Chat-Andacht bei evangelisch.de erlebt hat, wird zustimmen: Ja! Abendmahl, Taufen, Trauungen, Beerdigungen online wird es wohl nie geben. Aber Gemeinschaft im Gebet schon, sogar sehr intensiv. Experimente wie der Twitter-Gottesdienst dagegen sind Gottesdienste einer realen Gemeinde, die einfach über Social Media übertragen werden. Anders als beim Fernsehgottesdienst kann ein Twitterer aber vom Frühstückstisch aus seine Gebetsanliegen oder Gedanken zur Predigt einbringen.

Social Media: Ein Weg, das Priestertum aller Gläubigen wirklich zu leben. Eine große Chance für unsere Zukunft. Muss ich doch gleich mal meinen bayerischen @landesbischof antwittern, wie er das sieht.

Dieser Text entstand natürlich im Internet. Hier können Sie die Diskussion nachverfolgen und sehen, wer zum Text beigetragen hat: http://www.citykirche-schweinfurt.de/social-media-ich-wir